Es ist 2026 und in der Schweizer Welt der PV-Anlagen gelten neue Gesetzesartikel und Verordnungen. Wenn es darum geht, wieviel einem der lokale Stromversorger für Solarstrom vergütet, hat ein Begriff derzeit Hochkonjunktur:Der Referenz-Marktpreis, genauer gesagt der quartalsweise Gemittelte.
Viele Verteilnetzbetreiber haben die Gesetzesvorlagen so interpretiert, dass sie neu verpflichtet seien, nur noch diesen Preis für Solarstrom bezahlen. Das Resultat sind fast immer tiefere Einspeise-Tarife für PV-Anlagen.
Ob sinnvoll oder nicht, vielerorts ist der Referenz-Marktpreis für Solaranlagenbetreiber die neue Realität.
Das BFE berechnet diese Zahlen jeweils monatlich und quartalsweise und publiziert sie im Nachhinein.
Da ich von Natur aus neugierig bin, hat es mich interessiert, wie dieser Preis genau zustande kommt und ob ich mit meiner eigenen Berechnung auf denselben Wert komme wie das BFE.
Das Rezept zur Berechnung lautet gemäss BFE wie folgt:
Der Referenz-Marktpreis für Photovoltaikanlagen entspricht dem Durchschnitt der Preise, die an der Strombörse (Swissix) in einem Vierteljahr jeweils für den Folgetag (day-ahead) festgesetzt werden, gewichtet nach der tatsächlichen viertelstündlichen Einspeisung der lastganggemessenen Anlagen.
Zum Glück gibt es auch eine detailliertere Beschreibung mit Angabe von Datenquellen vom BFE.
Ich habe diese Anleitung auf halbem Weg meiner Bemühungen noch gefunden.
Börsenpreis
Strom wird auf europäischer Ebene an einer zentralen Strombörse, der EEX (european energy exchange) gehandelt.
Die kurzfristigen Bereiche für Spot- und Day-ahead Markt sind auf der EPEX Plattform zusammengefasst. Dort kann Strom für die Netzgebiete von Deutschland, Österreich, Frankreich und der Schweiz gehandelt werden. Der Schweizer Bereich EPEX SPOT CH entspricht dabei dem Swissix Begriff in der BFE Formulierung.
Super, habe ich mir gedacht, da hole ich mir mal die Daten für Q3 2025 und berechne mir den Referenzmarktpreis.
Erst mal Fehlanzeige: EEX verkauft seine Daten nur gegen happige Gebühren.
Glücklicherweise gibt es andere Wege, an die Daten zu kommen, unter anderem via die sehr praktischen Site von energy-charts.info .
Die Nutzung der Daten ist nur für nicht kommerzielle Anwendung erlaubt. Befriedigung meiner Neugier sehe ich mal als unkommerziell an. Für die technisch Versierten gibt es da auch ein API, über das sich massgeschneidert die gewünschten Daten abfragen lassen.
Uns interessieren hier die Day-ahead Preise für das Marktgebiet Schweiz vom 01.07.2025 – 30.09.2025.
Das API liefert uns die Daten im JSON Format mit einer stündlichen Auflösung.
PV-Produktion
Der nächste Bestandteil in unserem Rezept ist die tatsächliche viertelstündliche Einspeisung der lastganggemessenen Anlagen. Das heisst die Produktionsdaten aller PV-Anlagen in der Schweiz.
Diese Daten stellen für unsere Berechnung den Bezug zu Photovolatik her, denn der EPEX Börsenpreis gilt für Strom in der Schweiz generell, egal aus welcher Quelle er stammt. Die Gewichtung der Börsenpreise mit legt den Fokus auf die Strompreise zu Zeiten wo PV-Strom produziert wird. Das heisst der Börsenpreis tagsüber und vor allem um die Mittagszeit ist am relevantesten, während die Preise in der Nacht, wenn es dunkel ist, nicht in die Berechnung einfliessen.
Woher bekommen wir die Produktionsdaten aller Schweizer PV-Anlagen? Zum Glück gibt es Pronovo, welche genau diese Daten erhebt und freundlicherweise zum Download anbietet. Kein fancy API, dafür solide, gezippte CSV Files.
Schnappe mir das Quartals-Datenfile für Q3 2025 und extrahiere daraus die PV-Produktionszahlen.
Lustigerweise hat es 2 Datenspalten für Photovoltaik, eine für Produktion und eine für den Verbrauch der Wechselrichter, nur beide zusammengezählt ergibt die richtigen Werte.
Nun haben wir die Produktionsdaten, allerdings in 15 minütiger Auflösung, während die Preise stündlich vorliegen.
Muss das also noch auf Stunden summieren.
Die eigentliche Gewichtung der Börsenpreise lässt sich mathematisch einfach bei der Berechnung des Mittelwerts einbeziehen:
Die Börsenpreise zu jeder Stunde werden mit der gesamten PV-Produktion zu dieser Stunde multipliziert, das ganze übers Quartal aufsummiert und schliesslich durch die Summe der PV-Produktion dividiert.
Diese Rechnung führt dann zu einer Zahl: 6.131 Rappen / kWh.
Dumm nur, dass die Zahl nicht mit dem vom BFE publizierten Wert von 5.731 Rappen übereinstimmt.
Was habe ich übersehen?
Eurokurs
Mein Fehler war natürlich, dass ich vergessen habe, den Börsenpreis von EUR in CHF umzurechnen. Eine Einfache Umrechnung des Ergebnisses zum aktuellen EUR Kurs führt da aber leider nicht zum Ziel. Stattdessen brauchen wir die täglichen Euro-Kurse und müssen die in unsere Berechnung einbinden. Die SNB bietet diese freundlicherweise als Tabelle zum Download an.
Nun erscheint als Ergebnis der Berechnung, Trommelwirbel, die Zahl 5.732 Rappen / kWh.

Schon ziemlich nahe am BFE Wert von 5.731.
Vielleicht habe ich irgendwo etwas anders gerundet oder das BFE verwendet geringfügig andere Wechselkurse.
Jedenfalls ist meine Neugier für den Moment gestillt und ich habe den Referenzmarktpreis berechnet – Mission accomplished.
Epilog
Die Idee, den Marktpreis für Strom als Grundlage für die Einspeisevergütung zu nehmen, hat wohl mit der Überlegung zu tun, dass bei grosser Nachfrage der Preis hoch ist und darum auch für eingespeisten Solarstrom mehr vergütet werden soll.
Der gemittelte Referenzmarktpreis reflektiert tatsächlich, dass Solarstrom im Sommer in grösseren Mengen verfügbar ist und darum weniger kosten soll.
Unschön ist, dass auf dieser Basis der Preis in wesentlichem Masse durch grosse PV- und Windparks im europäischen Markt bestimmt wird und deshalb schlecht zur Schweizer PV-Landschaft passt.
Auch zum Thema Netzbelastung leistet der Referenzmarktpreis keinen sinnvollen Beitrag. Weil er für ein ganzes Quartal konstant ist, bietet er keinerlei Anreiz, z.B. zur Mittagszeit, wenn viel Solarstrom im Netz ist, nicht einzuspeisen.
Insgesamt scheint mir die Konstruktion, einen gemittelten Marktpreis zur Bestimmung der Einspeisevergütung zu verwenden eher als Krücke, denn als taugliches Instrument. Hauptmotivation war wohl, dass sich der Wert aus etablierten und verfügbaren Daten berechnen lässt.
Und dass er im Sommer tief ist.